Nachdem wir nun eine Saison gefahren sind und die zweite kurz vor der Türe steht, finde ich das es an der Zeit ist unsere Erfahrungen weiter zu geben. Dies möchte ich mit einem kleinen „Ratgeber“ für all diejenigen tuen die über einen Einstieg in den Pullingsport nachdenken.

Es geht hier nicht um „nimm Motor X mit Getriebe Y“ sondern darum was zu beachten ist, wie man vorgehen sollte.

Bitte nicht erwarten das ich hier über „Den Stein der Weisen“ erzähle und alles zu 100% zum Ziel führt. Eventuell nimmt der ein oder andere ja das ein oder andere mit.

In der Regel fängt alles ganz harmlos an. Man geht zu den Pullingveranstaltungen und irgendwann reift der Gedanke das man doch in ferner Zukunft mitmachen möchte. ACHTUNG!!! Das sind die ersten Symptome des Pullingvirus. Nicht unbedingt ansteckend nur schwer bis gar nicht zu heilen. 😉

Zunächst einmal muss man sich Gedanken machen was man machen möchte. Viel wichtiger sollte jedoch die Frage sein: Was man machen kann!

Es bringt rein gar nichts -außer Frust- wenn in den Überlegungen ein 2,5t light modified auf der Bahn steht, die Voraussetzungen jedoch schon für einen 500kg Gardenpuller fehlen.

Klingt hart…..…ist es auch…….so ist das Leben.

Neben der finanziellen und der maschinentechnischen Ausstattung geht vor allem viel Zeit für das Hobby drauf. Dies sollte bei der Klassenwahl unbedingt berücksichtigt werden. Ein 500kg Freie Klasse Schlepper macht zum Beispiel tendenziell weniger Arbeit als ein 600kg Freie Klasse (FK) Schlepper.  Eine nicht unwichtige Frage ist auch ob die Familie -so denn vorhanden- mitspielt. An der Stelle noch mal ein dickes Dankeschön an meine Frau!! *Bussi*

Auch nicht außer Acht lassen: Besteht eine Transportmöglichkeit für den Schlepper?

An dieser Stelle möchte ich vor ner ganz fiesen Sache warnen: Der rosaroten Brille.

Sieht nicht nur shice aus, rächt sich auch bitter….ganz sicher!

Man kann mit einem 500kg FK den man im Rahmen seiner Möglichkeiten betreibt wesentlich mehr Freude haben als mit einem 950kg FK den man eben außerhalb seiner Möglichkeiten betreibt und jeder größere Schaden zum Ruin führt.

Ungemein hilfreich ist das studieren(!) des Reglements. Denn das gibt den technischen Rahmen vor. Wird man mit diesem glücklich? Kann man alles umsetzen? Das Reglement ist schließlich kein Huppiflupp sondern ein einzuhaltendes Muss!

Zu Überlegen gilt es auch, in welchem Umfang man das Pulling betreiben möchte. Das es ein Unterschied ist hier und da mal Hobbysport zu fahren oder vorne im Eurocup mitzumischen brauch ich an dieser Stelle sicher nicht ausführen.

Jetzt kommt -bevor sich auch nur eine Schraube gedreht hat- der zweite Schritt. Und das ist der in meinen Augen wichtigste überhaupt:

Sprecht mit den Leuten die den Wahnsinn schon jahrelang machen!!!!

Hier bekommt ihr alle Infos die Ihr braucht, hier werden Sie geholfen. Einfach zu den Veranstaltungen gehen und Fragen stellen. So habe ich es auch gemacht und ich habe nicht ein einziges Mal ne dumme Antwort bekommen oder bin auf meiner Frage sitzen geblieben. Und wenn ihr ne Fragenliste mitbringt……auch egal…… arbeiten wir ab. (Bier mitzubringen ist hilfreich!! 😉 😉 )

Je mehr man sich mit der Thematik beschäftigt, desto mehr Fragen tauchen auch auf. Die meisten davon kann weder Onkel Goggel noch das Regelwerk beantworten.

Wenn ich es richtig gemacht habe, kann diese Webseite zumindest ein paar Fragen im Vorfeld beantworten.

So, die grobe Richtung stimmt, die Entscheidung Pulling zu betreiben ist gefallen, man hat einen an der Waffel. Glückwunsch! 😉

Wie geht es weiter?

Macht euch ein Konzept, dann macht euch einen Plan und dann verbessert ihr diesen ständig. Was hier klingt wie das Mantra von einem „Tschakka, du schaffst das“-Kurs sollte wirklich sorgfältig gemacht werden. Jaja, der Kontrollfreak kommt wieder durch, ich weiß.

Noch bevor ich mit der Konstruktion angefangen habe war der Schluckspecht im Kopf schon fertig. Ich wusste welcher Motor, welcher Lader, welcher Sprit, welche Motorsteuerung, welche Kupplung, welche Achse, welche Planetengetriebe, welcher Rahmen.

Das schöne ist nämlich: Ein Konzept im Kopf über den Haufen zu ändern bedarf nicht mal eines Bleistifts….es reicht ein paar Synapsen umzuschreiben…..Alternativ geht Bier…. 😉

Denn über eines muss man sich im Klaren sein: Wenn das Grundgerüst mal feststeht ist man für sehr lange Zeit daran gebunden.

Auf Dauer kann man mit einem 1,3 Liter Motoradmotor in der 600kg FK genau so wenig mithalten wie mit einem VR6 in der 950kg FK. Wenn einem das nichts ausmacht…..kein Problem…..

Meine persönliche (klassenübergreifende) Empfehlung ist es mit einem Konzept zu beginnen das man am Anfang gut in den Griff bekommen kann, nach oben hin soviel Entwicklung zulässt um vorne angreifen zu können.

Für die 600kg FK ist das in meinen Augen der 3 Liter Turbo Alkyburner. (Was ein Zufall 😉 )

Damit ist alles möglich: Von ganz moderaten 200 PS mit einem Hauch Aufladung und fast Serie bis….nunja…da streiten sich die Geister. Ich sage mal: „prinzipiell vierstellig“

Wichtig in meinen Augen ist auch, dass man auf Komponenten setzt die erprobt sind und so oder in einer sehr ähnlichen Konstellation schon zuverlässig funktionieren. Das beziehe ich auf den ganzen Schlepper. Klar kann man eine Serienkupplung verbauen, weil irgendwer mal irgendwie 400 PS drüber geschickt hat. Bitter nur wenn sich diese Fabelgeschichten am Start mit einer Rauchwolke aus dem Kupplungsschutz verabschieden…. (b)raucht man nicht. 😉

Auch sollten Ersatz-/Tuningteile reichlich verfügbar sein. Ein in Kleinserie in Burkina Faso gebauter Motor kann noch so leistungsstark sein….es macht keinen Sinn ihn zu verwenden.

Daher—> Sprecht mit den Leuten die das Jahrelang machen (hatten wir schon mal)

Wenn nur ein kleiner Zweifel besteht ob eine Komponente oder eine Konstruktionsweise nicht funktioniert…….sie wird nicht funktionieren. Alles was schief gehen kann wird schiefgehen. (Es hat mich auch schon gewundert das ich so lange ohne den guten alten Murphy ausgekommen bin 😉 )

Klingt hart…..…ist es auch…….so ist das Leben. (hatten wir auch schon mal)

Damit meine ich natürlich jetzt nicht ob das Rückfahrlicht hell genug oder weiß genug oder der Tank groß genug ist, sondern explizit Dinge dir nachher nicht, oder nur mit hohem Aufwand geändert werden können. Insbesondere den Antriebstrang von Motor bis Radnabe.

Nun sind wir an einem Punkt angekommen wo es (physisch) losgehen kann. Es müssen Teile her. Jetzt gibt es leider kein pullingshop24.de (Ich habe gerade noch mal nachgesehen, ehrlich)

Alles was mit dem Motor zu tuen hat bekommt man gut beim Autokarl um die Ecke bzw. noch besser im Internet.

Spezielle Pullingteile eben nicht. Das ist aber ein Problem das kleiner ist als es scheint. Da habe ich mich auch unnötig verrückt gemacht. Diese Teile haben nämlich die Leute……Trommelwirbel….die das schon jahrelang machen. Ein Tipp: Sprecht mit eben diesen Leuten!

Jeder kennt einen der einen kennt der einen kennt……
(Im Gegensatz zu Gegenden wo jeder mit jedem verwandt ist…. 😉 )

Für alle die sehr leidensfähig sind: Führt mal eine Liste mit Dingen die gekauft wurden und summiert nachher was der Spaß gekostet hat. Da wird sich dann schnell zeigen wie Rosa die Brille war……

Bis jetzt halte ich meine Ausführungen für ein Axiom auf dessen Widerlegung ich gespannt bin. Über die weitere Vorgehensweise lasse ich andere Meinungen zu. (Wie gnädig 😉 )

Die wohl meisten Schlepper entstehen direkt in der Werkstatt. Die groben Abmessungen gibt das Regelwerk vor, die Komponenten sind festgelegt, los geht’s. Ich bewundere die Menschen die das so hinbekommen.

Ich kann es nicht.

Kontrollfreak Stefan braucht einen genauen Plan. Dieser muss nichts ins letzte Detail gehen, aber alles Wichtige muss schon drin sein. Viel zu oft habe ich (bei komplexen Dingen) drauf los gebastelt und mich in den A*sch gebissen, weil alles in die Tonne gewandert ist und ein guter Plan schneller und effektiver zum Ziel geführt hätte. Ich erinnere da an Motorschutzbleche *kotzwürgbrech*

Das kann natürlich jeder machen wie er möchte.

Grundsätzlich gilt auch hier: Pfusch rächt sich immer! (Anders als ein gutes Provisorium, das hält ewig)

Tja…..was soll ich sagen……wenn ihr soweit gekommen seid, habt ihr nicht nur einen an der Waffel, sondern seid auch noch Meschugge. Noch mal Glückwunsch, könnte schlimmer kommen! 😉

Damit ist der Einstieg in den Pullingsport geschafft, meine Arbeit hier erledigt, ich geh ins Bett….oder so…….

 

 

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